"Kajal & Lippenstift auf meiner CD - Sicherlich kennt Ihr auch einen Club, dessen Eingang durch eine düstere Hinterhoftreppe erreicht wird. Die spärliche Beleuchtung im Inneren lässt nur schemenhaft die Gesichter der anwesenden Kunst- und Philosophiestudenten erkennen. Die rote Ledercouch im Reverse ist neben dem nervösen Stroboblitzen über der viel zu kleinen Tanzfläche, der scheinbar einzige Farbtupfer. Das perfekte Ambiente für die Musik von FLInCH. Whiskeygetränkte Emotionswogen im glasigen Blick sakraler Akustikinstrumente bei "Andy MacKay", der "Just one fix" als tanzbarer New-Wave mit dickem Robert-Smith Lippenstift oder Frickelectro als "The Drawback". Das Problem von "Iamyouareme" ist die Distanz, welches das Album zum Hörer hält. Natürlich kann man sich mit textlastigen Zeilen des Duos identifizieren, das unterkühlte Electronicaambiente und Jörg Willerscheidts seltsam düster anmutendes Gesangsorgan sorgen aber nicht gerade für Wohlbehagen. Wenn die Promotion FLInCH als hermetisch, introvertiert und irgendwie tanzbar bezeichnet, liegt Sie damit ganz richtig. In der Kühle und Melancholie des Herbstes muss man mit einem derart unterkühlten, Quecksilberblutenden Album aber zurechtkommen. Denn erst spät lassen sich hinter minimalistischen Loops feine Gitarrenkompositionen entdecken ("Cassie Young") oder den "Isabella Swan" als heissblütig lavaspuckenden Industrialrock tanzen. Erst beim Spaziergang durch den "Pigeon Park" bleibt man beim Mann mit der Gitarre stehen und singt gemeinsam mit den anderen Passanten die Refrainzeilen. Wer sich der nihilistischen Momente des Albums "Iamyouareme" bewusst ist, darf ein Probehören geniessen. Wer sich in oben angesprochenen Lokalitäten wohlfühlt wird FLInCH schon bald eben dort zu hören bekommen. Andere wissen, wie Sie der Musik aus dem Weg gehen können..." www.triggerfish.de (09/2007) |